Es gibt nicht nur Frankreich

Christoph Hasselbach, Deutsche Welle, 15.01.2014

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Die Krise hat vieles in Europa verändert, auch die Bündnispolitik der Bundeskanzlerin. Statt sich vor allem auf Paris zu konzentrieren, knüpft Merkel heute ein vielgestaltiges Netz von Beziehungen. [...]

Dudek verweist auch auf Polens Stellung als wichtigstes Land in Mittelosteuropa und die Tatsache, dass Polen besonders gut durch die Krise gekommen ist. In polnischen Umfragen nimmt Merkel seit Jahren eine Spitzenposition unter ausländischen Politikern ein. Es gehe beim deutschen Bemühen um Polen jedoch keineswegs um einen Ersatz für Frankreich, meint Janis Emmanouilidis, Politikwissenschaftler von der Brüsseler Denkfabrik European Policy Centre. "Denn man kann das deutsch-französische Bündnis nicht ersetzen. Sondern es geht darum, dass man weitere strategische Beziehungen braucht." [...]

Doch die Zusammenarbeit zwischen Berlin und London habe Grenzen, glaubt der Politikwissenschaftler Janis Emmanouilidis: "Das Problem ist, dass London sich ins Abseits manövriert. Von daher: London ist wichtig, aber ein Verhältnis zu Paris ist wichtiger, und Kompromisse muss man vor allem mit Frankreich schmieden, wenn man Dinge auf europäischer Ebene voranbringen möchte." [...]

Die gemeinsame Interessenlage dürfe aber nicht zu einem Gegeneinander von Nord gegen Süd führen, rät Janis Emmanouilidis der Kanzlerin: "Ich glaube, eine Allianz Nord versus Süd bringt niemandem etwas. Vor allem, wenn man das aus der Perspektive Berlins sieht, muss man das tunlichst vermeiden." Eine solche Vereinfachung, glaubt der Politologe, würde der Realität auch gar nicht gerecht werden. Das Beziehungsgeflecht sei einfach "komplexer".

Und das ist wohl auch das Fazit von Merkels europäischer Bündnispolitik: Sie ist komplexer geworden; sie hat sich diversifiziert; und, je nach Situation, verändern sich auch die Allianzen. Doch soviel scheint sicher: Dramatische Brüche wird es auch in Angela Merkels dritter Amtszeit in der Europapolitik nicht geben.

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