"Die Griechen wollen den Euro behalten"

Alexandra Jaenicke, Arte Journal, Arte, 13.06.2012

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ARTE Journal, Alexandra Jaenicke: Wie sehen Sie die Lage in Griechenland vor den Neuwahlen?

Janis Emmanouilidis, Politikwissenschaftler: "Es ist sehr unklar, wie die Wahlen ausgehen werden. Es ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen zwei Parteien, zwischen den Konservativen der Nea Dimokratia und der linken Syriza-Partei. Aber das Rennen ist noch offen. Und wir werden wohl erst am Sonntag recht spät wissen, wer gewonnen hat. Und dann wird es noch länger dauern, bis sich eine Regierung bildet und wie die aussehen wird, ob ihr Technokraten angehören oder „nur" Vertreter dieser Parteien. Auch das ist bisher noch unklar."

Frage: Gibt es ein Risiko, dass Griechenland aus dem Euroraum herausgehen möchte oder muss?

Janis Emmanouilidis: "Ich glaube, in der gegenwärtigen Phase ist es weder im Interesse der Partner Griechenlands noch im Interesse Griechenlands selbst ist, den Euroraum zu verlassen. Die Gefahr ist zu groß, die negative Situation in Griechenland auf andere Länder zu übertragen. Darüber hinaus ist es so: 70 bis 80 Prozent der Griechen sind der Ansicht, dass das Land im Euroraum verbleiben soll. Und jede Regierung, egal, wer sie führen wird, egal, wer ihr angehören wird, wird den Auftrag erhalten das Land in der Eurozone zu halten. Gleichzeitig stimmen aber Rezepte gegen die Krise nicht. Und entsprechend wird die neue Regierung den Auftrag haben, sich mit den Partnern hinzusetzen und zu verhandeln, wie man die Krisenrezeptur verändert und adaptiert an die Gegebenheiten einer Wirtschaft, die sich im fünften Jahr der Rezession befindet."

Frage: Immer weiter sparen ist ja möglicherweise auch nicht das Richtige. Da haben die Griechen vielleicht die Schnauze voll, wie sehen Sie das?

Janis Emmanouilidis: "Ein großer Teil der Bevölkerung ist tatsächlich am Rande der Leidensfähigkeit angekommen. Aber wenn man das griechische Budget sieht, und das Defizit, dann muss Griechenland weiter sparen, um auf einen grünen Zweig zu kommen. Und darüber hinaus muss sich das Land auch weiter reformieren. Besonders der öffentliche Sektor muss sich radikal reformieren, das wird aber eine zeitlang dauern. Und es geht jetzt darum, ob man Griechenland diese Zeit zubilligen wird und eventuell auch mehr wirtschaftliche Unterstützung, die das Wirtschaftswachstum wieder anspringen lässt und die lange Phase der Rezession beendet."

Frage: Sie sind also eher skeptisch, was die Zukunft Griechenlands angeht. Die Griechen müssen immer weiter sparen, aber sparen tun ja vor allem die kleinen Leute?

Janis Emmanouilidis: "Es ist tatsächlich so, dass die Situation sehr schwierig ist, aber die Probleme sind nicht unüberwindbar. Denn das Land verändert sich in seinen politischen Grundfesten. Die alten Parteien verlieren an Einfluss. Neue Parteien gewinnen an Einfluss, es könnten auch noch neue Kräfte am Entstehen sein, die an Bedeutung gewinnen könnten. Dieser Prozess wird eine Zeitlang dauern. Von daher gibt es keine einfache Lösung, die schnell zu erreichen ist. Aber dennoch gibt es Lösungen, es gibt auch Perspektiven, aber das wird ein sehr schwerer Weg sein, und da wird man der griechischen Bevölkerung noch eine lange Zeit viel abverlangen."

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