Wie viel Europa wir uns noch leisten können

Silke Wettach, Wirtschaftswoche, 09.06.2011

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Bisher ist die EU noch aus allen ihren Krisen gestärkt hervorgegangen. Doch danach sieht es diesmal nicht aus. Zu groß sind die Konflikte unter den Mitgliedstaaten, zu schwerwiegend die Probleme. Ein Zerfall der Gemeinschaft - selbst ein schleichender - wäre jedoch dramatisch. Deutschland kommt alleine nicht zurande. [...]

Noch existiert in Deutschland keine Partei vom Schlag der Wahren Finnen oder der Front National in Frankreich, deren Chefin Marine Le Pen gegen Immigranten wettert und den Ausstieg ihres Landes aus dem Euro fordert. Doch Experten halten die Neugründung von europafeindlichen Parteien gar nicht für die gefährlichste Variante. „Es ist viel gravierender, wenn sich die Mitte gegenüber den Argumenten der Extreme öffnet, um ihre Macht zu erhalten“, sagt Janis Emmanouilidis vom European Policy Centre (EPC) in Brüssel. [...]

In den deutschen Führungsetagen, wo die Entscheider wissen, dass rund 60 Prozent der deutschen Exporte in die EU gehen, steht es um den Ruf Europas nicht ganz so schlecht. Doch wo bleibt der Vorstandsvorsitzende, der sich laut und deutlich für den Euro ausspricht? Welcher Manager weist darauf hin, dass für die 40 Prozent der deutschen Exporte, die in die Euro-Zone gehen, das Wechselkursrisiko entfällt? Fehlanzeige. „Die Eliten sind verdammt still“, beobachtet Europaexperte Emmanouilidis. [...]

„Das Gefühl von Interdependenzen erhöht die Spannung unter den Mitgliedstaaten“, beobachtet Europaexperte Emmanouilidis. Jeder fürchtet, vom anderen irgendwie über den Tisch gezogen werden. Auf die wachsende gegenseitige Abhängigkeit gibt es genau eine Antwort: die Europäische Union. Nur wenn sich die 27 Mitgliedstaaten in den zentralen Fragen der Wirtschaft besser abstimmen, haben sie auf lange Sicht eine Chance, ihre Probleme zu lösen und dem weltweiten Wettbewerb standzuhalten. Themen wie Finanzregulierung, Zuwanderung und Asyl, Rohstoffknappheit und Zugang zu Märkten kann Europa nur gemeinsam lösen. [...]

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