Wir sind so deutsch – Warum die Regierung in der EU jetzt härter auftritt

Jochen Bittner and Jörg Lau, Die Zeit, 31.07.2010

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Es ist eines dieser blauen Büros. Die Tür ist blau. Die Aktenordner sind blau. Das Indigo des Teppichs erscheint zwar schon etwas gebleicht. Aber dafür strahlt das Hemd des Bürobewohners, türkis, unterstrichen von einer Krawatte, azur. Der Mann, der sie trägt, ist einer von jenen Brüsselanern, deren Nachnamen-Kombination keine eindeutigen Rückschlüsse auf ihre nationale Herkunft zulässt. Ebenso wenig wie ihre Sprache; der Mann in Blau beherrscht drei wie seine eigene. Ganz gewiss hat er nichts dagegen, wenn wir ihn einfach »die Europäische Kommission« nennen.

"Wir sind keine Aliens", stellt die Europäische Kommission nach ein paar einleitenden Sätzen klar. "Wir wurden geschaffen, um den Interessen der EU-Mitgliedsstaaten zu dienen." Deswegen sei es gar nicht schlimm, wenn Angela Merkel eine neue Europapolitik betreibe – nüchterner, härter als die alte Bundesrepublik und ihr Kanzler Kohl. "Ich kann Merkels Position im vergangenen Krisenhalbjahr absolut nachvollziehen", sagt die Europäische Kommission. […]

Viele Europäer im Brüsseler Institutionen-Kosmos sehen das genauso. "Merkel steht nicht allein", sagt Janis Emmanouilidis. Der Deutsch-Grieche arbeitet am Brüsseler European Policy Centre und kennt die Einschätzungen aus beiden europäischen Hemisphären, Nord wie Süd. "Österreicher, Niederländer und Skandinavier finden ja auch, dass manches schiefläuft am Mittelmeer. Aber sie lehnen sich nicht so aus dem Fenster. Weil Merkel es für sie tut." Die EU hatte sich, anders gesagt, eingerichtet in unausgesprochenen Differenzen. Es war höchste Zeit, so denken viele, dass es damit ein Ende hatte. Auch deswegen nimmt Pierre Moscovici, der Vizevorsitzende des Europaausschusses im französischen Parlament, die Deutschen in Schutz: "Politik kann doch nicht von Schuld, schlechtem Gewissen oder Großzügigkeit bestimmt sein, es muss um das Beste für das Land gehen."

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